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Der "etwas andere" Seniorennachmittag

Es ist schon erstaunlich, wie schnell man etwas vergessen hat, obwohl man während des Gottesdienstes das Gefühl hat: Das geht so unter die Haut, dass wird man nicht vergessen. Vieles kann jedoch durch eine Nachbereitung wieder in die Erinnerung zurückgerufen werden. Je öfter man das macht, desto eher kann es im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Die wenigsten Geschwister – dabei spielt das Alter keine Rolle – haben die Fähigkeit, einen Gottesdienst wortgetreu wiederzugeben. Deswegen handelt es sich bei den nachfolgenden Berichten um wertvolle Eindrücke aus dem Kreis der Senioren, die nicht unbedingt in der Reihenfolge wiedergegeben sind.

Der etwas andere Seniorennachmittag

Eindrücke:

 

… Apostel Opdenplatz ging auf die Worte „Mut, harre auf den Morgen …“ und „…dir tagt freudenvoll der Morgen…“ aus dem vom Chor vorgetragenen Lied ein.

Wir sollen mutig und freudenvoll dem Morgen, dem Tag der Wiederkunft Christi entgegengehen …

 

… Es war eindrucksvoll, wie kräftig, klang- und schwungvoll Senioren singen können. Eine Schwester, die in der Bank vor mir saß, sagte gerührt zu ihrer Nachbarin: „Die brauchen sich hinter keinem Gemeinde- oder Jugendchor zu verstecken!“…

 

… „Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind …“ Davon wurde ich angesprochen. Also Gott wohnt da, wo sein Heiligtum ist. Nicht nur im Himmel! Er wohnt bei Dir und Mir und in Dir und Mir, auch wenn wir „zerschlagenen Geistes“ sind. Er ist immer bei uns, auch in der Not, wenn Hoffnungen und Wünsche zerschlagen wurden. Auch wenn unser Geist gedemütigt und zerschlagen durch Krankheit oder das tägliche Leben ist. Gott wohnt in uns und hilft uns. Deshalb lohnt es sich, dem Herrn weiter zu dienen. Das Eingangslied: „Wir möchten Jesum sehn“, wird der Lohn dafür sein …

 

… Apostel Opdenplatz erzählte ein Erlebnis, das er einmal in einem Seniorenheim hatte:

Als junger Priester bekam er, nach Aussage seines Vorstehers, den schönsten Bezirk, den es gibt. Ein Heim für alte Menschen. Es beherbergte damals, über acht Etagen verteilt, rund 40 neuapostolische Geschwister. Dies bedeutete, dass der Apostel sehr oft durch die Flure ging, in schwarz gekleidet, um die Geschwister zu besuchen und mit ihnen Heiliges Abendmahl zu feiern. Eines Tages sprachen ihn drei Frauen an, und fragten ihn, warum er sie noch nie besucht habe. Er nahm sich die Zeit, plauderte ein wenig mit ihnen und sprach ihnen, soweit es ging, Trost zu. Da sie auf dem Flur saßen, fragte er sie, worauf sie denn warten würden. Sie antworteten: „Wissen sie, wenn man so alt ist wie wir, da wartet man nur noch auf den Tod“.

Nachdenklich ging der Apostel weiter, um eine Glaubensschwester im Heim zu besuchen. Sie empfing ihn freudestrahlend. Auch sie fragte er: „Worauf haben sie denn gewartet?“, worauf die Schwester erwiderte: „Na, darauf, wer zuerst kommt: Sie, oder der Herr!“

Da wurde der Unterschied offenbar. Die Perspektive. Die Einen warteten auf den Tod, die anderen auf das ewige Leben …

 

… Ich weiß leider nicht mehr, in welchem Zusammenhang der Apostel den Ausspruch gesagt hat: „Jeder einzelne von uns ist eine Schatztruhe!“ Allerdings hatte es mich doch zum Nachdenken angeregt.

Jeder Gottesdienst, den wir besucht haben, jedes Glaubenserlebnis, jedes gute Wort, das wir unserem Nächsten gaben, jede hilfreiche Hand, die wir unserem Nächsten gereicht haben, jedes Gebet, das wir vor den Thron Gottes geschickt haben, all dieses sind „Goldtaler“, die wir gesammelt haben. Sie sind, genau betrachtet, auch schon ein Lohn auf Erden. An diesen „Goldtalern“ können wir uns erfreuen. Die Zinsen dafür werden wir im Himmel erhalten …

 

… Was sind Senioren? Jeder war mal ein Kind, ein Jugendlicher, ein Erwachsener. All diese Erinnerungen sind doch immer noch vorhanden. Manchmal freuen wir uns wie ein Kind oder gehen unbeschwert wie ein Jugendlicher durchs Leben. Dieses ganze Erleben, in der Summe betrachtet, ist Lebenserfahrung. Unseren Glauben haben wir ebenfalls als Kind, Jugendlicher und Erwachsener erlebt. Auch das ist nicht spurlos an uns vorübergegangen. Das ist Glaubenserfahrung. Dem Rat des Apostels, dass wir uns diese Erinnerungen bewahren sollen, komme ich gerne nach. Ich möchte mich auch bemühen, sie anzuwenden …

 

… Die Aussage von Apostel Opdenplatz bei der Überleitung zum Heiligen Abendmahl für Entschlafene hat mich tief bewegt: „Es gibt keinen Gottesdienst, in dem so viele Entschlafene anwesend sind, als in einem Seniorengottesdienst“.

Vater und Mutter, Onkel und Tanten und mehrere gute Freunde habe ich schon in die Ewigkeit abgeben. Gestern erreichte mich die Nachricht, dass ein lieber Freund in Südafrika mit dem Leben ringt und ein lieber Freund in Deutschland den Kampf verloren hat.

Und alle sind hier!

Fast jeder von den Anwesenden hat wahrscheinlich, schon auf Grund seines Alters, eine Vielzahl an lieben Menschen verloren.

Und alle können hier sein!

Trotz aller Trauer: Was für eine Freude!

Zum Abschluss bat der Apostel noch um eine Gedenkminute. Der Raum wurde von einer besonderen Stille erfüllt. Die Orgel begann leise das Lied zu spielen: „Wo keine Wolke mehr sich türmt“.

Ein „Gotterleben“, das unter die Haut ging ...

 

 

… Der Apostel erwähnte die Prophetin Hanna im Tempel. Sie diente Gott täglich mit Beten, obwohl sie alt war. Auch wir Senioren können so Gott dienen ...

 

… Während seines Dienens ging Apostel Opdenplatz auch auf Veränderungen in unserer Kirche ein. Eine Entwicklung, an der wir uns stoßen können. Er nahm als Beispiel den EJT und die Musik. Die Musik und ihre Instrumente haben sich im Laufe der Zeit verändert. David würde die Welt nicht mehr verstehen, wenn er den Gesang und die Musik von heute hören würde. Damals gab es eine andere Sprachweise und ein anderes Tonsystem. Die Musik und einige Lieder, die beim EJT vorgetragen wurden, seien für viele ältere Geschwister schon gewöhnungsbedürftig, aber kann man deswegen sagen, dass sie nicht gut sind? Auch die geistliche Musik hat eine Entwicklung durchlebt, angepasst an die jeweilige Zeitepoche. Der Apostel bat darum, doch tolerant zu sein und sich nicht daran zu stoßen. Fest steht auf jeden Fall, dass sich die Lehraussage nicht verändert hat …

 

… „Das ist das Leben, das ist auch unser Leben …“

Die damit verbundene Geschichte machte mich sehr betroffen. Apostel Opdenplatz erzählte von einem Gespräch mit Geschwistern, die freudig ihre goldene Hochzeit feierten. Kurze Zeit danach kam die Nachricht, dass die Mutter verstorben sei. Als diese in Trauer gekommenen Geschwister nach der Beerdigung wieder nach Hause kamen, erreichte sie die schockierende Nachricht, dass ihr erst 18 Jahre alter Sohn tödlich verunglückt sei.

„Das ist das Leben, das ist auch unser Leben.“

Ich fragte mich, wie kann man solche Schicksalsschläge verkraften? Heute noch eine unbändige Freude – und Morgen unendliches Leid! Wohl dem, der einen Gott hat, der in ihm wohnt und bei ihm ist. Auf eigene Kraft angewiesen, glaube ich, wären wir verloren …

 

… Als der Apostel zum Schluss des Gottesdienstes die Senioren bat, statt des Chores das Schlusslied zu singen, warteten alle auf die Liednummer. Aber es wäre nicht Apostel Opdenplatz, wenn die Sache nicht einen kleinen Haken hätte. Er sagte: „Der Seniorenchor hat wunderbar gesungen, aber wir alle sind ja auch ein Chor. Also singen wir gemeinsam den NAK-Evergreen, Lied Nummer 86 aus der Mappe.“ Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite, denn außer dem Chor hatte ja keiner eine Mappe dabei. Es löste aber ein wunderbares Gefühl aus, zu spüren, wie stark man in der Gemeinschaft sein kann. „Der Herr ist mein Licht und ist mein Heil …“, klang es kraftvoll aus den Kehlen der Sänger, …„Der Herr ist die Kraft meines Lebens allein; vor wem sollte mir noch grauen!“ Eine innere Erregung machte sich bemerkbar während wir gemeinsam, auch ohne Noten und Text, auf Grund unserer jahre- und jahrzehntelanger Treue mit dem Lied das Kirchenschiff ausfüllten. Sicherlich konnte nicht jeder den Text auswendig, aber die Gemeinschaft hat mitgerissen.

Eine geballte Kraft! Eine starke Gemeinschaft! ...


Verfasser/Bild: D.Schäfer
Redaktion: P.Wild

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Das Wort zum Monat wird vom Stammapostel, dem internationalen Leiter der Neuapostolischen Kirche herausgegeben und ist auf der
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