Sie befinden sich hier:  Glaube und Kirche - Seelsorge - Blindenhörbücherei

Die Brücke der Trauer

Trauerbegleitung
iStock

Lange stand ich vor der schmalen Holzbrücke, die sich mit ihrem sanften Bogen spiegelte. Es war eine Brücke zum Hin- und Hergehen, hinüber und herüber. Einfach so, des Gehens wegen und der Spiegelungen.

Die Trauer ist ein Gang hinüber und herüber. Hinüber, dorthin, wo man mit ihm war. Alle die Jahre des gemeinsamen Lebens.

Und dieses Hin- und Hergehen ist wichtig. Denn da ist etwas abgerissen. Die Erinnerung fügt es zusammen, immer wieder. Da ist etwas verloren gegangen. Die Erinnerung sucht es auf und findet es. Da ist etwas von einem selbst weggegangen. Man braucht es. Man geht ihm nach. Man muss es wiedergewinnen, wenn man leben will.

Man muss das Land der Vergangenheit erwandern, hin und her, bis der Gang über die Brücke auf einen neuen Weg führt. (Jörg Zink)

Wenn ein geliebter Mensch stirbt,

ist es völlig normal, dass trauernde Menschen sich am Boden zerstört fühlen –  Körper und Seele leiden. Trotz der Gewissheit, dass wir unsere Lieben bei Gott wissen – sie seiner Liebe und Güte anbefehlen - schmerzt die Gewissheit, die unmittelbare Nähe dieses Menschen nie mehr spüren zu können. Wir vermissen den Blick der Augen, die physische Anwesenheit, Gespräche und lieb gewordene Eigenheiten. So manche Hoffnungen und Träume liegen in Schutt und Asche.

Jeder Trauernde erlebt die Zeit seiner Trauer anders, kein Trauermuster ist vergleichbar.  Viele Gefühle wie Schock, Ungläubigkeit, Wut, Schuld, Niedergeschlagenheit, Einsamkeit, Furcht und Panik steigen gleichzeitig hoch. Vielleicht fühlen wir uns verwirrt und durcheinander. Das Ausmaß des Verlustes wird mit jedem Tag größer und größer – jeder Tag ist von Qual und Schmerz geprägt.

Empfindungslos, betäubt, versteinert und oftmals verständnislos ergeben wir uns, beugen uns vor der Allmacht und Entscheidung des Schöpfers. 

Die neue Wirklichkeit ist kaum zu verkraften. Wir sehnen uns nach Geborgenheit und  nach einem sicheren Ort, gehen los - auf Suche nach Linderung und Heilung.

Und genau hier beginnt die Trauerarbeit:

Die Trauerarbeit sollte nicht allein geleistet werden. Ein Partner, ein Freund, ein Berater sollte Ihnen vertrauensvoll zuhören können. Auch der Hauspriester und Vorsteher steht Ihnen in dieser schweren Zeit eng zur Seite. Sie haben ein offenes Herz und Ohr auf ihrem individuellen Weg der Trauer.

Manche Trauerwege werden langwierig, steinig und beschwerlich. Zeitliche und fachliche Grenzen werden bei den ehrenamtlich tätigen Amtsträgern überschritten, so dass von beiden Seiten eine Trauerbegleitung zur Unterstützung des Heilungsprozesses angefordert werden kann.

In einer Einzelbegleitung oder beim Besuch einer kleinen Trauerhilfegruppe (Selbsthilfegruppe) steht Ihnen dieser Personenkreis zur Verfügung, um mit Ihnen gemeinsam die Trauerarbeit zu beginnen. Diese ist durchaus anstrengend, und hochgradig emotional. Die Trauerarbeit wird Sie nicht davor schützen, dass weiter Gefühle wie Gewitter über Sie herein brechen. Die Angst vor der Zukunft, Angst, es nicht zu schaffen, wird nicht von heute auf morgen verschwunden sein.

Ziel der Trauerbegleitung ist, Ihnen wieder ein Stück Lebensqualität zurück zu geben, zu akzeptieren, daß Sie Ihre Gefühle mit der Ihnen angemessenen Geschwindigkeit verarbeiten, langsam und behutsam, in Ihrem persönlichen Zeitrahmen.

Tröstlich ist dabei festzustellen, dass Sie trotz der körperlichen Trennung immer noch eine starke Bindung zu dem geliebten Heimgegangenen haben. Das „Band der Liebe“ zwischen Ihnen und dem geliebten Verstorbenen gilt es zu festigen, dieses „Band“ kann auch der Tod nicht zerstören. Selbst wenn Sie den geliebten Menschen für den Rest Ihres Lebens vermissen werden, können Sie lernen, Ihre Gefühle zu akzeptieren und konstruktiv mit ihnen umzugehen.

In der Begleitung werden Sie gemeinsam auf „Spurensuche“ gehen – biografische Arbeit leisten – behutsam können Sie dabei Ihre tiefsten Gedanken und Gefühle freien Lauf lassen. Es gilt eine Brücke zu beschreiten - auf die schöne gemeinsame Zeit zurück zu blicken und in eine andere, neue Zukunft zu gehen.

Anmerkung:
Ehrenamtlich tätige Trauerbegleiterinnen / Trauerbegleiter erfahren eine fundierte Ausbildung von mindestens 80 bis 200 Unterrichtsstunden, ersetzen jedoch keinesfalls einen Arzt, Facharzt, Psychologen oder Anwalt. Sie sind zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet.

Kontakt

Die Trauerbegleitung der Gebietskirche Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland leitet Jürgen Jakob. Sie erreichen ihn per E-Mail unter trauerbegleitung@nak-hrs.de oder telefonisch unter 069/27281-920.

Gerne dürfen Sie auch direkt Kontakt zu dem für Sie nächstgelegenen Trauerbegleiter aufnehmen.


Weitere Informationen finden Sie in unserem Flyer.