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Orgeln in der Gebietskirche

Pfeifenorgel in Kaiserlautern
Pfeifenorgel in Neustadt

Pfeifenorgel Neustadt

Standort:  Bezirkskirche in
                67433 Neustadt a.d.W.,
                Wallgasse 30
Erbauer:   Orgelbau Max Offner,
                Inhaber: Andreas Offner,
                Kissing bei Augsburg



Historie

Wunsch des Bezirksapostels sowie auch seines Vorgängers ist, unter Verwendung von zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst alle Bezirkskirchen mit einer Pfeifenorgel auszustatten.

Nach in Augenscheinnahme der Baupläne der Kirche in Neustadt fiel auf, dass die Verwendung der vorhandenen Orgelplanung für die in 2009 eingeweihten Neuapostolischen Kirche in Öhringen/Württemberg auch für die Kirche in Neustadt möglich ist.


Nach Prüfung der Abmessungen der Öhringer-Orgel sowie des bei Orgelbau Offner eingelagerten, vorhandenen Pfeifenmateriales aus still gelegten Pfeifenorgeln in Ludwigshafen, Frankfurt-Sachsenhausen und Völklingen ergab sich, dass das Öhringer Instrument in Neustadt wirklich ein weiteres Mal gebaut werden kann, wodurch auch die eingelagerten Pfeifen eine neue, wertvolle Bestimmung erhalten.


Dies alles sowie der sich ergebende Preisvorteil durch die Nutzung des vorhandenen Pfeifenmaterials führte zu dem Entschluss, die Bezirkskirche in Neustadt im Zuge der Renovierungsarbeiten mit einer Pfeifenorgel auszustatten.

Disposition:


Manual C – g³              

         
            


01.)   Principal              8’     Prospekt - Neuregister aus 80% Zinn

02.)   Salicional             8’     Altregister aus Ludwigshafen

03.)   Bourdon              8’     Altregister aus Sachsenhausen

04.)   Oktave                4’     Neuregister aus 70% Zinn

05.)   Flöte                    4’     Altregister aus Völklingen

06.)   Quinte           2 2/3’     Altregister aus Völklingen

07.)   Dublette               2’     Altregister aus Ludwigshafen

08.)   Terz               1 3/5’     Altregister aus Ludwigshafen

09.)   Mixtur            1 1/3’     Altregister aus Ludwigshafen

10.)   Oboe                   8’     Altregister aus Ludwigshafen


Pedalwerk C –f’ :

11.)   Subbass            16’     Altregister aus Völklingen

12.)   Gedacktbass       8’     Altregister aus Völklingen

13.)   Violoncello           8’     Prospekt Neuregister aus 80% Zinn


Koppeln:

Manualkoppel , Suboktavkoppel, Pedalkoppel I, Pedalkoppel II











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Der Spieltisch

Orgelspieltisch

Das Orgelwerk wird von einem angebauten, rein mechanischen Orgelspieltisch aus gespielt. Der Orgelspieltisch ist in seiner Aufstellung so geplant, dass der Organist einen maximalen Klangeindruck vom Instrument erhält und einen mühelosen Blickkontakt zum Altar hat. Mit Hilfe eines Spiegels ist jederzeit der Blickkontakt zum Dirigenten möglich. Größten Wert wird auf eine ergonomische Bedienbarkeit der einzelnen Elemente gelegt. Alle Maße, Trittanordnungen sowie Tastengänge entsprechen der Norm des BDO (Bund deutscher Orgelbauer).

Als Spielhilfen stehen die Normalkoppeln zur Verfügung, welche mechanisch durch Fußpedale zu bedienen sind. Gefertigt werden alle Koppeln als aufwendige Doppelwippenkoppeln, wodurch eine leichte und präzise Spielart auch im gekoppelten Zustand gewährleistet ist.

Das Notenpult ist mit einer breiten Auflageleiste in das Spieltischgehäuse integriert, um auch große Notenbücher sicher aufnehmen zu können. Der darunter liegende Orgelmotorschalter ist als Schlüsselschalter in das Registerbrett eingebaut. Als zusätzliche Einschaltkontrolle sind das Pedallicht und die Notenpultbeleuchtung mit dem Orgelmotor gekoppelt. Die Orgelbank ist in der Höhe verstellbar und mit einem integrierten Notenfach versehen. 

Alle Sichtseiten des Spieltisches, die Klaviaturbacken, die Orgelbank und die Pedalklaviatur sind zum Orgelgehäuseholz passend gefertigt. Die Klaviaturbacken beinhalten links und rechts Intarsieneinlagen.

Zwischen den beiden Klaviaturbacken liegen die Klaviaturen. Der Tonumfang der Manuale besitzt 56 Tasten C - g³, der des Pedals 30 Töne c - f’, wobei die Pedallage c° unter c’ ist. Bei den Manualtasten  sind die Ganztöne in Knochen und mit zwei Querrillen versehen. Alle Halbtöne sind aus Ebenholz gefertigt. Zur Vermeidung von Anschlaggeräuschen sind bei allen Anschlägen Tastendämpfer eingebaut.


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Schemazeichnung

Orgelbeschreibung

Das neue Orgelwerk wird in ein Holzgehäuse eingebaut, welches auf zwei Seiten mit Lamellen aus Acrylglas versehen ist. Diese Lamellen ermöglichen durch die freie Wahl der Öffnungsweite das individuelle Anpassen der jeweils gerade benötigten Spiellautstärke.

Das Instrument ist rechts vom Altar aufgestellt und an der Außenwand angerückt. Der Organist sitzt günstig mittig vor dem Instrument mit dem Rücken zum Gottesdienstraum.

Großen Wert legten Orgelbauer und Architekt auch auf die passende Eingliederung der Orgel in die räumlichen Gegebenheiten der Kirche. Das gesamte Orgelprospekt wurde der Architektur des Kirchenraumes gut anpasst.

Ziel war es, den Raum zu bereichern und trotzdem dabei die Gesamtwirkung des Kirchenraumes nicht zu überlagern. Dies ist in hervorragender Weise gelungen.

Die Orgelanlage ist so konstruiert, dass eine  Nutzung der Orgel zur normalen Gottesdienstbegleitung wie auch zu Konzerten mit Chor und Orchester jederzeit ohne Einschränkung möglich ist.

Das komplette Gehäuse gliedert sich in zwei Ebenen auf. Im unteren Teil als stabile Konstruktion ausgeführten Orgelkastens befindet sich die komplette Spiel- und Windanlage mit sämtlichen Bauteilen, welche für die Tasten- und die Registermechanik notwendig sind. 

Dahinter bzw. daneben steht, gut erreichbar, das Pedalwerk mit den großen Holzpfeifen des Registers Subbass 16’ sowie der Fortführung dieses Registers in die 8-Fußlage. Diese tiefen Bassstimmen sind aus astfreiem Tannenholz gefertigt. Seitlich im Prospekt kommt dann das neue Register Violoncello 8’ zum Stehen.

Die komplette Orgelfront wird von dem bereits erwähnten Glasgewerk eingerahmt. Die allesamt sprechenden Prospektpfeifen setzen sich aus den Registern des Principales 8’ sowie aus den Pfeifen des Registers Violoncello 8’ zusammen.

Im Hauptteil des Orgelkastens befindet sich dann das Manualwerk, welches mit seinen verschiedenen Stimmen das Volumen des Orgelklanges wiedergibt.

Die sehr hochwertige Bauart garantiert ein Maximum an direkter, sensibelster und leichtgängigster Spielart.

Ein technisches „Highlight“ ist die Ausstattung mit einer so genannten Wechselschleifeneinrichtung. Das heißt, dass fast alle Manualregister sowohl im ersten wie auch im zweiten Manual wechselweise anzuspielen sind. Dadurch ergeben sich mannigfaltige Registrierungsmöglichkeiten sowie eine optimale Ausnutzung der vorhandenen Stimmen zu jedem Anlass. 

Bemerkenswert ist, dass dieses System rein mechanisch funktioniert und ohne jegliche pneumatische oder gar elektrische Hilfsmittel arbeitet. Orgelbau Offner hat dieses System bereits mehrere Male zur vollsten Zufriedenheit der Benutzer erbaut. So erstmals bei der NAK Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland in der Bezirkskirche in Marburg. Die Wechselschleifeneinrichtung lässt hinsichtlich der Variabilität der späteren Registerbenützung keine Wünsche mehr offen. 

Der freie Zugang zu den Tonventilen und den Orgelpfeifen ist durch aufklappbare Gehäusetüren garantiert. Im Rücken des Hauptgehäuses ist im Orgelinnern sogar ein aufklappbarer Laufboden befestigt, von dem aus das komplette Pfeifenwerk bequem gestimmt werden kann. Der Orgelbauer wählt diese aufwendige Konstruktion ganz bewusst und zeigt damit, wie wichtig ihm der einwandfreie Zugang zur Orgeltechnik ist. Außerdem sollte das Stimmen der Pfeifen bequem und leicht ausgeführt werden können. Denn nur eine gut zugängliche Pfeife kann auch gut aussprechen und dadurch ihren Klang frei entfalten.


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Pfeifenorgel in Neustadt

Mechanische Registratur

Links und rechts vom Spieltisch ist die Registraturanlage in das Konzept mit seinen Registerschiebern integriert. Mit ihnen werden die Register an- und ausgeschoben sowie durch jeweiliges Anheben oder Niederdrücken der Griffe das gewünschte Spielmanual ausgewählt. 

Alle Register werden rein mechanisch geschoben bzw. abgestoßen. Die dafür notwendigen Registerschieber sind links und rechts von der Manualklaviatur angebracht. Die Registerschieber sind passend zu den übrigen Tasten und Schaltern aus Grenadil angefertigt und mit einer eingravierten weißen Steinschrift beschriftet.

 

Mechanische Traktur

Die Orgel ist mit einer rein mechanischen Spieltraktur ausgestattet. Im perfekten Zusammenwirken der Vielzahl aller Bauteile kommt eine leichtgängige, sehr direkte Spielmechanik zustande, welche den Orgelspieler über Jahrzehnte hinweg bei seinem Spiel erfreuen wird.


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Pfeifenorgel in Neustadt

Windladen

Für eine direkte und gezielte Steuerung der Windversorgung der Pfeifen werden moderne Schleifladen mit rein mechanischer Betätigung der Tonventile verwendet.

 

Windanlage

Fast genauso wichtig wie die Windladen einer Orgel ist die Windversorgung. In diesem Fall wird ein geräuschisoliertes Orgelgebläse eingebaut; sodann mit einem Dämmkasten und Ansaugfilter versehen, der das Motorengeräusch des Orgelgebläses zum Kirchenraum zusätzlich schallisoliert.

Es werden ausschließlich massive Holzkanäle und keine Flexrohre verwendet. Damit besitzt die Windanlage eine überdurchschnittliche Windstabilität und ist zudem optisch hochwertig anzusehen. Durch die massive Bauweise kommt hinzu, dass das Motorgebläsegeräusch fast nicht mehr wahrnehmbar ist. Ein Aufwand, der normalerweise nur bei großen Orgeln betrieben wird.

 

Konstruktion und Gehäuse

Das komplette, selbstständige Tragwerk der Orgel wird aus massivem Eichenholz hergestellt. Alle Rahmen und Böcke werden in solider und traditionsbewusster Bauform erstellt und miteinander verbunden. Sämtliche verwendeten Hölzer sind lange abgelagert, gewissenhaft ausgesucht und nach der Fertigung mehrfach lackiert.

Die Aufstellung der Windladen im Orgelbereich erfolgt nach bester Zugänglichkeit und Aussprache der Pfeifen sowie bestmöglicher Wartungs-  und  Reparaturfreundlichkeit. Je nach Ausführung und Gestaltung des Orgelprospektes sind die Windladen auf dafür gefertigte Tragkonstruktionen zu stellen. 

Ist einmal das komplette Orgelwerk aufgebaut, ergibt sich eine komplette, zusammenhängende Einheit - ein Kriterium das gerade für rein mechanische Orgeln sehr wichtig ist und für die spätere einwandfreie Funktion von wesentlicher Bedeutung ist.


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Pfeifenorgel in Neustadt

Vormontage im Betrieb

Das komplette Orgelwerk wurde in der Orgelbauwerkstätte Andreas Offner in Kissing bei Augsburg vormontiert und zusammengebaut. Hierbei wurden alle Mechaniken und Trakturen eingebaut und einreguliert, die Windladen auf ihre einwandfreie Funktion geprüft sowie die Windanlage auf ihre absolute Dichtheit untersucht. Jede Pfeifenstimme erhält eine klangtypische, raumbezogene, sorgfältige Vorintonation und Stimmung bei einer  Tonhöhe 440 Hz/20°. 

Nach dem vollständigen Aufbau des dann spielbaren Instrumentes erfolgt eine Vorabnahme der Orgel im Herstellerwerk durch die zuständigen Orgelsachverständigen.

 

Montage am Bestimmungsort

Der Aufstellung am vorgesehenen Platz in der Kirche folgte eine abschließende Qualitäts- und Funktionskontrolle, so dass nach Abschluss der Orgelmontage das Instrument als technisch einwandfrei übergeben werden konnte.

Es erfolgt dann eine abschließende, Stimmung aller Register in einer Tonhöhe von 440 Hz bei 15° Celsius mit historischer Stimmung.

Am Tage der Wiederindienststellung der Kirche am 18.06.2010 konnte die Orgel erstmals zum Lob und Ehre Gottes und zur Freude der Geschwister erklingen.

Die Schlussabnahme der Orgel erfolgte in engerem Kreis am 22.06.2010. Die Orgelsachverständigen bescheinigten dem Orgelbauer eine hervorragend gelungene Arbeit.

Der Orgelbauer übernimmt ab dem Tage der Orgelabnahme die Gewährleistung für die kompletten von ihm gefertigten Gewerke. Aufgrund des hohen Qualitätsstandards gibt der Orgelbauer eine Garantie für die Dauer von 15 Jahren auf die von ihm produzierten Orgelteile. Voraussetzung hierfür ist die regelmäßige Wartung und Pflege der Orgel durch den Orgelbauer, was durch den Abschluss eines Stimm- und Wartungsvertrages sichergestellt ist.

 

Nachwort

Das Niveau der neuen Orgel in Neustadt liegt aufgrund der technischen Ausstattung sehr hoch und bietet für die Organisten vielfältige Spiel- und Registriermöglichkeiten.

Frankfurt am Main, im Juni 2010

Arbeitsgruppe Orgel

Dittmar Bender