Podiumsdiskussion mit Stammapostel Leber
Am Samstag Nachmittag stellte sich Stammapostel Leber im Rahmen einer Podiumsdiskussion vielschichtigen Fragen einer repräsentativen Diskussionsrunde mit Teilnehmern aller europäischen Gebietskirchen.
Nachfolgend möchten wir hier einige Diskussionsbeiträge grob skizzieren ...
Diskussionseinstieg bildete die Frage nach einem zunehmenden Desinteresse der Jugendlichen am Gottesdienstbesuch. Diese Sicht bestätigte Stammapostel Leber. Auch er würde dies durchaus so wahrnehmen und sähe darin eine grundlegende Gefahr für den Glauben.
Danach wurde recht intensiv über die Frage diskutiert, ob man sich ein detailliertes Bild von Gott und den verheißenen zukünftigen Entwicklungen machen sollte.
Stammapostel Leber warnte vor zu festgefahrenen Vorstellungen hinsichtlich der genauen Wirklichwerdung der Verheißungen und warb um Offenheit für von Gott zugelassene oder bewirkte Verhältnisse und Ereignisse.
In einer Nachfrage ging es darum, wie sich Jugendliche konkret verhalten sollten, wenn eigene Wünsche nicht erfüllt werden und sogar Niederlagen zu ertragen sind.
Der Stammapostel warb dafür, in solchen Situationen insbesondere mit offenem Herzen und Sinnen die Gottesdienste zu besuchen und es so Gott zu erlauben, Trost zu schenken.
Im weiteren Verlauf ging es um die Frage, warum die Gläubigen denn nicht nach dem Warum fragen sollten, so wie dies erneut im Himmelfahrtsgottesdienst angeklungen ist, oder ob es vielleicht doch erlaubt sein sollte. Auch im Bewußtsein nicht auf alles Antworten finden zu können.
Der Stammapostel entgegnete, dass es durchaus normal sei, über eigene Erlebnisse und Niederschläge nachzudenken, dass es auf der anderen Seite für das Seelenleben aber nicht förderlich ist, dabei kein Ende zu finden.
In einem offenen Gesprächswechsel ging es dann um die Frage, wie neuapostolische Christen ihren Glauben im Kreis ihrer Mitmenschen vertreten.
Stammapostel Leber sprach der Jugend diesbezüglich ein großes Kompliment aus und stellte fest, dass sie heute leichter und offener ihren Glauben vertreten würden als dies noch seine eingene Generation tat. Auch die jugendlichen Diskussionsteilnehmer forderten die Zuhörer dazu auf, mit ihrem Glauben offenherziger und mutiger umzugehen.
In einem weiteren Fragenkomplex ging es um den Umgang mit Zweifel und offenen Fragen.
Hier erklärte Stammapostel, dass die Kirche in der Nachkriegszeit sehr eng auf die "Botschaft von Stammapostel Bischoff" fixiert gewesen sei und es deshalb keinen Raum gab, Zweifeln und Fragen nachzugehen. Dies zu ändern sei jedoch ein langwieriger Prozess, da diese Verhaltensweisen ja fest erlernt in einer ganzen Generation stecken.
Diese Aussage provozierte natürlich die sofortige Nachfrage wann denn weitere Stellungnahmen zur "Botschaft von Stammapostel Bischoff" folgen würden und ob mit einer Relativierung dieser zu rechnen sei.
Man benötige noch Zeit, könne aber im Wesentlichen nur auf Gottesdienste zurückgreifen, da Stammapostel Bischoff wenig schriftliche und detaillierte Aussagen zu seiner Erkenntnisgewinnung hinterließ, entgegnete Stammapostel Leber. Somit würde wohl leider immer eine gewisse Unsicherheit bleiben. Grundsätzlich sei es allgemein zu einer "Verengung" gekommen, die teilweise nicht gute Entwicklungen gefördert hätte, die dann auch Spaltungen hervorgebracht hätten. Diesbezüglich sei er aber ehrlichen Herzens an einer Versöhnung interessiert.
Danach wurde der Umgang mit kritischen Fragen Jugendlicher an ihre Jugendleiter Thema der Diskussionsrunde.
Stammapostel Leber räumte ein, dass es durchaus Amtsträger gibt, die selbst ihre Last mit dem Leben nach den Regeln ihres Glaubens haben. Es sei in solchen Einzelfällen aber umso wichtiger, an einer gegenseitigen Annäherung zu arbeiten. Die Mehrzahl der Amtsträger, so der Stammapostel, würde ihren Jugendlichen jedoch sicherlich mit offenen Herzen begegnen.
Nach längerer Diskussion rund um Zweifel und Kritik ging es im Folgenden um die Frage, ob es nicht auch möglich wäre an Gott ohne Kirche zu glauben.
Der Stammapostel wies diesbezüglich darauf hin, dass Gott eine Ordnung gegeben hätte, die es eben vorsieht, dass der Glaube im Rahmen der Kirche sein Zuhause hat und dort mehr geboten würde als das erleben Gottes in der Natur. Hier gäbe es Heil, Hilfe und Helfer sowie Freude. Daneben sei ein direktes Verhältnis zu Gott aber auch unumgänglich, da es ja die Basis jeglichen Gebetslebens sei. Die Kirche stellt einen helfenden Rahmen.
Als Nächstes ging es um die Frage, wie es denn sein könne, dass Lehraussagen, Predigten und manch andere Auffassung trotz des Bemühens um weltweite Einheit doch teils verschieden seien. Oder sei dies ein Sozialisationsprozess, der nur Abwarten erfordere?
Der Stammapostel führte dazu aus, dass grundsätzlich die Gemeinsamkeiten aller Amtsträger gegenüber den Unterschieden überwiegen. Daneben gäbe es aber durchaus Verschiedenheiten. Hier seien die Amtsträger aufgefordert sich selbst zu hinterfagen, ob alle ihre Aussagen wirklich aus dem Heiligen Geist entspringen und ob sich alles im Rahmen einer Predigt Gesprochene auch wirklich mit der Glaubenslehre decke. Es sei ihm aber auch bewußt, dass nicht 100% aller Predigtworte aus dem Heiligen Geist stammen, da dürfe man sich nichts vormachen.
Zum Abschluß ging es noch um die Beobachtung, dass es oftmals sehr ungern gesehen wird, wenn mal ein hochaktives Kirchenmitglied einige Zeit eher allein sein möchte, sich mal zurückzieht und weniger tut. Dies führe schnell zu Vorwürfen seitens der kirchlichen Gemeinschaft.
Auch hier warb Stammapostel Leber um Verständnis und Rücksichtnahme auf den Einzelnen.